Mut zum Reden: Rollenbilder ansprechen – der Schlüssel zu Fairness
Es ist nicht schwer, über Rollenbilder zu sprechen – aber es braucht vor allem Mut. Besonders wenn du schon lange in der Beziehung lebst und alte Muster herrschen. Und solltest du Single sein, hast du die Chance früh zu beobachten und auf bestimmte Punkte zu achten.
„Die Frau fürs Leben ist nicht das
Mädchen für Alles.“
Quelle: Wildmohnfrau.at – https://www.wildmohnfrau.at/feministische-zitate/
Du machst schon immer die Hauptarbeit im Haushalt, weil es schon immer so war und dein Partner:in kümmert sich gelegentlich um andere Dinge die so anfallen.
Du fühlst dich ausgelaugt, gestresst, hattest schon lange keine Zeit mehr für deine Interessen und Hobbies.
Warum solltest du das nicht ändern? Es kann dein Leben befreien, mehr Balance bringen. Ich zeige dir, wie du es angehen kannst – für Singles als Vorsorge, für Paare als echte Veränderung und Wachstum.

Singles haben die Change früh zu filtern und genau zu beobachten:
Schon beim Dating kannst du darauf achten, wie sich die Haushaltsfähigkeiten zeigen. Hat dein potentieller Partner eine eigene Wohnung und managt er diese selbst?
Kocht er mal für euch und vorallem – kocht er auch verschiedene Gerichte?
– Mein Ex-Freund hat damals immer das gleiche Gericht gekocht. Es stellte sich schnell heraus, dass es auch nicht viel anderes gab außer Tiefkühl Gemüse und Tiefkühl Lachs. Aber immerhin waren schon einmal Koch-Ambitionen da. –
Und wenn du mal eine Woche bei ihm bist, putzt er da mal das Bad, räumt die Küche auf und wirft mal eine Wäsche rein?
Tipp: Nimm nur ein Shirt mit und frag ihn, ob er es bei seiner Wäsche kurz mit rein werfen kann, weil du geschwitzt hast und nichts frisches dabei hast. Hier stellt sich dann schnell raus, ob das ein Thema ist die Waschmaschine zu bedienen.
Viele Männer wohnen alleine, es schaut super ordentlich aus und in Wirklichkeit putzt die Mama. Alles schon erlebt!
Mein Ex-Freund hatte zu Beginn immer am selben Wochentag Zeit – es stellte sich heraus, das am Tag davor seine Mama zum putzen da war. Und ich war jedesmal erstaunt wie ordentlich es ist. Zu meiner Verwunderung achtete er auch auf wechselnde Deko am Tisch. Als ich ihn mal fragte wo er das Windlicht her hat und ob er gerne die Deko durchwechselt, beichtete er mir, dass das seine Mama macht.
Da war sie dahin, die Illusion das ich einen selbständigen Mann kennengelernt habe. Dennoch konnte er die Waschmaschine benutzen, wenn er es auch nicht gerne machte. Und er hatte Grundkenntnisse im Kochen. Das war für mich damals schon mal ein großer Anfang. Heute wäre es das nicht mehr… denn es stellte sich heraus das er zwar konnte wenn er wollte, aber es ihm schon lieber war das Mama es macht oder später dann einmal ich.
Deshalb genau hinsehen und in der Kennenlernphase schon locker im Gespräch mit einfließen lassen, dass dir eine faire Aufteilung wichtig ist. Wenn du z.B. nicht bügelst, auch klar sagen das du das nicht tust und auch nicht anfangen wirst. Oder das es dir wichtig ist, dass sich jeder einmal Gedanken macht was es zum Essen gibt, derjenige dann auch dafür einkauft und dann auch kocht.
Du kannst auch direkt Fragen: „Wie organisierst du deinen Haushalt neben deiner Arbeit? Machst du den Haushalt dann an einem festen Tag die Woche?“
Einfach mal die Reaktion testen. Geht er auf Abwehr, Verteidigung oder reagiert er entspannt und antwortet ausführlich?
Und frag ruhig auch mal, ob er gerne kocht, wenn ja ob er frei kocht oder nach Rezepten. Oder ob er sich doch lieber täglich was liefern lässt.
So siehst du früh ob dein potentieller Partner ein Teamplayer ist. Besser zu Beginn checken als später unzufrieden zu sein. Die wenigsten ändern sich groß wenn die Muster schon lange eingefahren sind.

Paare: Das Gespräch wagen Schritt für Schritt
Lange Beziehungen stecken in Mustern fest – du willst etwas ändern, doch meistens blockt der Partner.
Mut ist der Schlüssel, doch Strategie macht es wirksam.
Tipp: Wähle einen ruhigen Zeitpunkt und spreche in ICH-Botschaften oder nutze ein gemeinsames WIR im Gespräch.
Schritt 1: Vorbereitung
Notiere dir einmal, wie viel Zeit du pro Woche für den Haushalt benötigst. Und frage dich, wann du am besten das Gespräch suchst – wann ist ein entspannter Moment?
Schritt 2: Einstieg – positiv und klar
Starte mit Ich-Botschaften wie zum Beispiel das du ihm sagst: „Ich fühle mich überlastet. Der Haushalt ist sehr viel und alleine alles unter einen Hut zu bekommen ist sehr anstrengend. Ich habe oft keine Energie und Zeit mehr, mal etwas für mich zu machen. Können wir uns mal die Sachen anschauen was getan werden muss und uns abwechseln.?“
Erkläre: „Ich brauch Luft für mich. Wenn wir zusammen UNSEREN Haushalt anpacken – sind wir beide ausgeglichener und haben auch mehr Paarzeit.
Schritt 3: Abwehr abfedern
Bleib ruhig, auch wenn die erste Reaktion nicht so ist wie du sie dir erhofft hast. Höre zu. Falls so Sätze fallen wie „Das habe ich noch nie gemacht, das kann ich doch gar nicht.“ – Sag ihm, dass du es ihm zeigen kannst. Das ihr es ein paar mal zusammen machen könnt und zeig ihm Vorteile auf, das es praktisch ist wenn er so etwas dazu lernt. Man weiß nie was kommt. Vielleicht musst du mal auf eine Dienstreise oder ins Krankenhaus. Dann kann er diese Zeiten problemlos überbrücken.
Wenn Aussagen kommen wie: „Das haben wir doch schon immer so gemacht, wo ist das Problem?“ – Wiederhole ruhig das du ausgelaugt bist, das du überlastet bist und es wichtig für dich ist auch mal durch atmen zu können.“
Du kannst ihn auch fragen, wie er es sieht und was er sich vorstellen könnte zu übernehmen. Sollte er sagen, dass er doch schon Rasenmäht und Reifenwechselt sage ihm, dass das stimmt und du das sehr schätzt und toll findest, aber er das nicht täglich machen muss und die anderen Tätigkeiten eben täglich anfallen.
Versuche ruhig Verständnis aufzuzeigen.
Falls das Gespräch für dich erst mal gar nicht in die richtige Richtung läuft, bitte ihn sich einfach mal darüber Gedanken zu machen und schlage vor, zwei Tage darauf nochmal darüber zu sprechen. So kann der „Schock“ bei ihm erst mal sacken und das Gespräch kann dann hoffentlich wieder positiv weitergeführt werden.
Schritt 4: Umsetzung und Konsequenz
Auch wenn es nicht einfach sein sollte, weil dein Partner nicht freudig aufspringt und den Vorschlag für super empfindet – musst du dran bleiben. Wenn du wirklich etwas für dich ändern willst, kommst du nur zum Ziel wenn du deine Grenzen setzt und diese hart umsetzt. Auch wenn das die ein oder andere Konfrontation auslöst.
Ein: „Naja ich hab es versucht aber er mag nicht und bevor wir nur streiten… so hat es ja eigentlich auch die letzten Jahre funktioniert“ – bringt dich nicht ans Ziel.
Am besten ihr erstellt am Anfang gemeinsam einen Plan und schreibt eine Liste, die ihr an den Kühlschrank hängt.
Dann startet ihr eine Test-Woche, du zeigst ihm wie was funktioniert und zeigst Geduld und ganz wichtig: Keine Vorwürfe von wegen „Du machst das falsch“ oder „Nein so nicht.“ Sonst ist die Motivaiton gleich weg.
Sag ihm das er es gut macht, lobe ihn und wenn etwas nicht so passt versuche vorsichtig aufzuzeigen „Darf ich dir zeigen, wie ich es mache? So sparst du dir nochmal Zeit, schau:…“
Und falls alle Versuche erfolglos sind, kannst du als letzte Konsequenz einfach die Dinge nicht mehr machen. So habe ich es in meinem Beziehungen gemacht.
Ich habe z.B. keine Wäsche mehr gewaschen. Spätestens als die Unterwäsche ausging, haben meine Partner auf einmal doch die Wäsche in die Hand genommen.
Und ich habe das Bügeln mit Ankündigung eingestellt. Auf einmal war es kein Problem mehr, zu den wöchentlichen Geschäftsterminen selbst sein Hemd zu bügeln… das ist hart und wird sehr wahrscheinlich Streit und Diskussionen auslösen aber man kann auch hier nur nochmal ruhig wiederholen, dass es UNSER GEMEINSAMER HAUSHALT ist und da jeder anpacken kann.
Es war auch für mich hart, das damals durchzuziehen, aber am Ende haben wir uns wieder versöhnt, er hat seine Hemden selbst gebügelt und jetzt als Single, kann er mir ja direkt dankbar sein das er was für sein Leben gelernt hat. Ich weiß noch genau als er seiner Mama damals erzählte, dass ich jetzt seine Hemden nicht mehr bügle. Wie entsetzt sie mich angeschaut hat. Als wäre ich eine schlechte Lebensgefährtin. Aber auch ihr habe ich dann gesagt, dass es unser gemeinsamer Haushalt ist, ich auch Vollzeit zur Arbeit gehe und jeder seinen Teil beitragen muss. Sie bot ihm dann sogar an, dass sie wieder bügelt. Da habe ich ihr aber knallhart gesagt, dass das kontraproduktiv wäre weil sie wird auch nicht ewig für ihn da sein können und die Zeit hat er um es selbst zu erledigen. Damit war dann auch dieses Thema geklärt.
